Städtetrip Budapest

Letzte Änderung am 2021-05-30 von Michael

Ein verlängertes Wochenende in Budapest

Wieso Budapest in Ungarn? Nun, wir haben zufällig in irgendeinem dritten Programm eine Serie über die Donau gesehen und dieser Teil handelte von Budapest. Der Bericht hat uns zu diesem verlängerten Wochenend-Trip animiert.


29.06.2007 – Abflug und Ankunft

Unser Flug mit Malev Hungarian Airlines [2012 Betrieb eingestellt] geht in Frankfurt am Main vom Terminal 2 ab. Aufgrund der erhöhten Sicherungsstufe (London) sind wir relativ früh da und werden auch gründlich „auseinander­genommen“ und das gleich zweimal.

Die Wege im Terminal 2 sind eine Katastrophe. Die Beschilderung ist ziemlich bescheiden, manchmal nicht oben an der Decke, sondern plötzlich einfach mal links oder rechts im Gang, sodass leicht übersehbar und die Laufzeiten sind eine Zumutung.

Wir brauchen gut 25 Minuten, bis wir von der Passkontrolle endlich am Gate sind. Die Räume dort sind dermaßen eng begrenzt, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt, sobald für eine Maschine Boarding-Zeit ist.

Wir haben etwas Verspätung, fliegen aber schneller als geplant, sodass wir bei Ankunft nicht allzu viel Verspätung haben. Wir haben mal wieder ein wenig Glück mit der Buchung und sitzen auf Business Sitzen (zwar Holzklasse, aber immerhin schöne Beinfreiheit).

Nach Ankunft nehmen wir uns gleich zwei Tickets für ein „Minibus-Taxi“ (HUF 2.300 pro Person). Dieses fährt uns bis zum Hotel, allerdings, da wir nicht direkt in der City wohnen (Buda Teil auf dem Rosenhügel), sind wir auch die letzten, die aussteigen, sodass wir noch eine kleine „Sightseeing-Tour“ durch Budapest machen.

Das Einchecken klappt schnell und problemlos. Das Zimmer ist nicht gerade das, was ich unter einem € 53,– Hotelpreis Zimmer verstehe, aber wenigstens ist das Bett hervorragend. Noch kurz ausgepackt und ab in die Falle.


30.06.2007 – Stadtrundgang und Donau Sightseeing

Wie immer wachen wir früh auf. Es ist bedeckt, aber sehr warm. Das Frühstück ist jetzt auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Die Auswahl ist doch sehr bescheiden.

Nach dem Frühstück geht es zu unserem ersten Stadtrundgang los. Wir kaufen vorher noch jeweils die Budapest-Karte (72 Stunden) – nachträglich kann ich aber feststellen, dass es nicht gelohnt hat, da wir zu wenige Museen und die sonstigen „Prozente, die die Karte bietet“ besuchen konnten. Eine 3-Tageskarte für den öffentlichen Verkehr hätte ausgereicht. (den sollte man unbedingt nutzen – der ist hervorragend).

Von unserem Rosenhügel gehen wir erst einmal hinunter an die Donau und können zum ersten Mal das Parlamentsgebäude auf der Pester Seite sehen. Es ist sehr beeindruckend. Wir gehen entlang der Donau bis zur Széchenyi lánchid (Kettenbrücke). Wie wohl jedes Sommer-Wochenende findet hier immer ein Fest statt, was zwar schön, aber ein wenig hinderlich zum Fotografieren ist.

Nach dem Übergang sind wir auf der Pester Seite und können von hier zum ersten Mal die Burganlage auf der Buda-Seite betrachten. Dann gehen wir weiter zum Vörösmarty tér, besuchen noch die Touristen-Information und natürlich das Café Gerbeaud (wunderschön und kalorienreiche Angebote) und gehen zur Szent István Bazilika (St.-Stephans-Basilika). Hier fahren wir zunächst hoch auf eine Aussichtsplattform, die rundherum offen ist und haben von dort einen hervorragenden Ausblick über die ganze Stadt.

Anschließend schauen wir uns noch den Innenraum der Basilika an. In einer Kapelle ist die höchste katholische Relique der Ungarn ausgestellt. Leider nicht zu fotografieren, da zuviele Besucher. Der Innenraum der Basilika ist sehr schön gestaltet, ein sehr hohes Gebäude und nicht so dunkel, wie man es oft von katholischen Kirchen kennt.

Nun geht es weiter bis zur ehemaligen Königlichen Postsparkasse, ein wunderschönes Gebäude, aber einfach nicht abfotografierbar, da die Bäume den Blick versperren. Als Nächstes steht ein Besuch im ethnologischen Museum an und da lohnt alleine schon die Betrachtung der großen Eingangshalle. Einfach traumhaft.

Aber auch der Museumsbesuch selbst lohnt alle Male, hat er uns doch sehr viel über die Historie von Ungarn vermittelt und das sehr anschaulich mit teilweise wunderschönen Fotografien. Auch die Zeit des 2. Weltkrieges hier sehr anschaulich dokumentiert. Der Besuch war sehr lohnenswert.

Gleich gegenüber geht es zum Parlamentsgebäude, was wir auch von Innen sehen wollten, aber die Schlange davor schreckt uns davon ab. Wir heben uns das für das nächste Mal auf. Aber alleine schon der Rundgang um dieses Gebäude (Vorbild: Westminster) ist sehr lohnenswert. Es ist übrigens das größte Parlamentsgebäude der Welt. Um das Parlament gibt es einige Denk- und Mahnmale, vor allem auch über den Aufstand von 1956, aber auch historische Persönlichkeiten.

Nun laufen wir wieder an der Donau, inzwischen bei wunderschönem Wetter zur Margit hid (Margeretenbrücke), von deren Mitte man auf die Insel Margitsziget (Margareteninsel) gelangt, so etwas wie das Naherholungsgebiet der Budapester. Wir laufen ein Stück auf die Insel und gelangen zu einem Park mit einem Brunnen mit wunderschönen Wasserspielen in Begleitung von klassischer Musik. Wir könnten eigentlich stundenlang noch zusehen und -hören. Ich habe auch einige Videoclips davon gemacht, die sogar relativ gut geworden sind, kann das aber leider hier nicht veröffentlichen, weil sonst wahrscheinlich die GEMA gleich um die Ecke geschossen kommt.

Es ist jetzt schon später Nachmittag und wir sind inzwischen ziemlich geschafft, so dass wir uns jetzt erst einmal im Hotel einen „Nachmittagsschlaf“ gönnen.

Am Abend gehen wir auf das Restaurant-Schiff A38 auf der Buda-Seite nahe der Petöfi hid (Petöfibrücke). Absolut empfehlenswert: sehr, sehr freundliche Bedienung, hervorragendes Essen. Wir genießen das Essen und den Wein draußen zur Donau hin und fühlen uns pudelwohl.

Es gefällt uns so gut, dass wir jetzt fast die Zeit vergessen und uns am Ende sputen müssen, um die letzte Donau-Sightseeing Tour um 22:00 Uhr noch zu erreichen. Das war exzellentes Timing – kaum sind wir auf dem Schiff, legt es ab.

Bei traumhaftem Wetter, kein Wölkchen am Himmel und Vollmond, geht es zu einer einstündigen Tour über die Donau. Mit Voice-Rekordern werden Legenden, Geschichten und wohl auch Tatsachen erzählt, die sehr kurzweilig sind. So sprechen Personen der Zeitgeschichte in der Ich-Form (Sissi) oder auch Statuen (so die Freiheits-Statue auf dem Gellértberg), die ja noch aus kommunistischer Zeit stammt und nicht wenige sind dafür, diese auch in den „Denkmalpark“ zu verfrachten (da stehen Unmengen von ehemaligen Denkmalen aus der Zeit zwischen 1945 und 1989 – etwas außerhalb, daher haben wir diesen nicht besucht).

Dazu gibt es Sekt und das Ganze wird auch auf Fernsehbildschirmen visualisiert. Die Tour hat sehr viel Spaß gemacht. Die Beleuchtung der Burganlage, des Parlaments und vieler anderer Gebäude ist fantastisch. Nun machen wir uns mit der Straßenbahn auf Richtung Hotel und fallen ziemlich kaputt in die Betten.

Bilder des Tages


01.07.2007 – Bad, Burgviertel und Gellértberg

Was man auch immer über das Hotel sagen kann, die Matratzen sind klasse. Wir schlafen wie die Murmeltiere. Nach dem wieder etwas bescheidenen Frühstück, heute aber bei schönem Wetter auf der Terrasse, geht es ins Gellértbad. Wir wollen uns wenigstes ein Bad anschauen, auch wenn wir nicht zu viel Zeit darin verbringen wollen. Wir kommen wieder mit dem öffentlichen Verkehr hervorragend bis vor die Tür. Bei den Angestellten (bis auf eine sehr wohltuende Ausnahme) hat man allerdings das Gefühl man wird so bedient wie bei uns früher bei der Post, als Beamte hinter den Schalter gesessen haben. Vor allem die Kontrolleure waren von „überschäumender Freundlichkeit“. Wett gemacht hat das dann bei den Kabinen ein sehr freundlicher Helfer.

Auch das System des Diebstahlschutzes in den Kabinen fand ich klasse. Nicht nur mit einem richtig guten Schloss, sondern auch mit Gittern abgesichert. Und ferner: Man kriegt ein Bändchen mit einer Nummer, die nichts mit der Kabinennummer zu tun hat. Diese Nummer wird innen angeschrieben, sodass man bei Verlust des Bändchens sicher sein kann, dass der Finder nicht auf die eigentliche Kabinennummer schließen kann. Fand ich richtig gut.

Das Bad selbst war schon in der Eingangshalle sehenswert und auch das Hallenbad (wir waren nicht in den Thermalbad-Bereichen) hat richtig Spaß gemacht und unterscheidet sich doch sehr von unseren Hallenbädern. Aber auch der Freibadebereich war wunderbar angelegt.

Nachdem wir nach der Besichtigung auch noch ein wenig geschwommen sind, ging es zurück zum Hotel und von dort in das Burgviertel, das von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt ist und das auch mit vollem Recht. Eine riesige Anlage, in die wir von Norden einsteigen. Zunächst sehen wir den Magdalenenturm und auch noch die Grundfläche der dazugehörenden Kirche, die aus dem Mittelalter stammt und erst im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Weiter geht es durch die Úri utca, eine wunderschöne Gasse, u.a. mit der deutschen Botschaft (weit ab vom Schuss). Leider sind alle Haustore geschlossen, sodass kein Blick in die Innenhöfe möglich ist.

Dann gibt es erst einmal eine kurze Kalorien-Pause im Café Ruszwurm, ehe wir in Richtung Burganlage weiterlaufen. Hier findet ein riesiges Volksfest statt, was einerseits schön ist, mit Gesangs-Darbietungen, Künstlern und Ritterspielen, andererseits verhindert, dass man Fotografieren kann. Wir mischen uns unters Volk und genießen es.

Und weiter geht es zur Fischerbastei, die um die Jahrhundertwende (1900) neu gestaltet wurde. Nicht nur die Bastei selbst ist schön verspielt, sondern auch der Ausblick auf Budapest ist von hier atemberaubend. Aber auch der Blick zurück, wo sich die Bastei im Hotel Hilton in den Fenstern spiegelt, ist sehenswert (obwohl da anscheinend die Meinungen auseinandergehen – mir hat es gefallen). Einige alte Relikte sind in den Bau des Hotels integriert und es sind auch noch Reste eines ehemaligen Dominikanerklosters erhalten.

Nachdem wir nochmals durch die Gassen in Richtung Norden geschlendert sind, geht es zurück zum Hotel, wo wir uns erst einmal wieder zur Nachmittagsruhe hinlegen.

Am Abend geht es auf den Gellértberg, den wir auch wunderbar mit Straßenbahn und Bus erreichen. Hier ist schon ziemlich alles auf „Souvenir“ und Touristen ausgerichtet. Wir machen es uns erst einmal bei einem Italiener zum Abendessen gemütlich (muss man jetzt nicht unbedingt weiterempfehlen) und gehen, als es allmählich dunkel wird, auf die Zitadelle, da man von dort einen schönen Ausblick auf das beleuchtete Budapest hat.

Im Hotel in der Zitadelle ist eine Bilderausstellung über den Zweiten Weltkrieg und die Judenvernichtung. Sehr bedrückend und beschämend und jedem zu empfehlen, der meint, es wäre an der Zeit zu vergessen.

So allmählich gehen wir hoch zur Zitadelle und nachdem gegen 21:00 Uhr die Beleuchtung für das Burgviertel, Parlament und St. Stephans Basilika sowie die Brückenbeleuchtungen angehen, bietet sich uns ein wirklich atemberaubender Blick auf die Stadt. Man möchte gar nicht mehr weggehen. Auch die Beleuchtung selbst ist fantastisch, da nicht zu hell und das ganze Stadt-Panorama in eine wunderbare und warme Atmosphäre verwandelt wird.

Nachdem wir lange auf die Stadt geschaut haben, machen wir uns an den Abstieg, den wir zu Fuß absolvieren – eine Zeit lang bei völliger Dunkelheit, ehe eine Beleuchtung uns den Weg nach unten weist.

Zu unserem Abschlussabend gehen wir noch mal in den Pester Teil und genehmigen uns noch einen schönen Abend auf dem Restaurant-Schiff Spoon.

Bilder des Tages


02.07.2007 – Stadtrundgang und Heimflug

Wieder schlafen wir hervorragend. Unser letzter Tag in Budapest bei wieder traumhaft schönem Wetter. Bevor wir am frühen Nachmittag zum Flughafen müssen, geht es noch einmal auf die Pester Seite um eine letzte Besichtigungstour zu machen.

Wir gehen zum jüdischen Viertel, wo wir eine erste Synagoge in der Rubach Sebestyén utca sehen. Von dort gehen wir weiter zur Nagy zsinagóga (Große Synagoge) und schauen uns diese auch von Innen an. Zunächst war es schön zu sehen, dass hier keine Polizeibewachungen wie bei uns notwendig sind. Allerdings wurden wir beim Eintritt auch durchsucht. Der Innenraum ist sehr groß und erinnert stark an Kirchen-Innenräume. Anschließend gehen wir zum Mahnmal „Baum des Lebens“ von Imre Varge zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust. Ebenfalls wird dort der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg geehrt, der sehr für das Überleben der jüdischen Bevölkerung in Budapest gekämpft hat.

Der anschließende Besuch im jüdischen Museum hätte eigentlich länger ausfallen müssen und auch mit Führung. Das wird sicherlich einmal nachgeholt. Jetzt gehen wir weiter in Richtung ungarisches Nationalmuseum (leider am Montag geschlossen). Anschließend fahren wir auch zum ersten Mal mit der Metro in Budapest bis zum Oktogon um via des Prachtboulevards „Andrássy Út“ wieder zurück in Richtung Innenstadt/Donau zu gehen.

Auf dem Liszt Ferénc tér machen wir Mittagsrast und die Auswahl fällt sehr schwer, da ein Café/Restaurant neben dem anderen ist, aber wir haben wirklich Glück mit unserer Auswahl. Das Essen ist hervorragend. Der Platz selbst ist wunderschön und so gehen wir einmal im Karree um den Platz an der Musikakademie (gegründet von Franz Liszt) und laufen auf dem Boulevard zurück.

Nun ist es also Zeit. Wir fahren zum Hotel zurück und fahren von dort mit dem Taxi zum Flughafen (rund 6.000 HUF). Das Einchecken geht flott. Jetzt heißt es wieder mal warten, aber irgendwann ist diese Zeit auch vorbei und mit einer kleinen Fokker geht es in Richtung Frankfurt los. Sehr gesprächig waren die Piloten und das Kabinenpersonal nicht. Die Anschnallzeichen gingen zwar an und danach wurde es auch etwas unruhig, aber als es rund eine halbe Stunde danach richtig unruhig wurde, kam keinerlei Ansage.

In 90 Minuten sind wir in Frankfurt am Main und das Gepäck ist auch gleich da, sodass wir noch früh am Abend zu Hause ankommen.

Fazit: ein wunderschönes Wochenende in Budapest. Es gibt dort noch soviel zu sehen und auch die Freizeitmöglichkeiten abseits von Kultur laden geradezu zu einem erneuten Besuch ein. Die Stadt am Abend bei warmem und schönem Wetter ist einfach umwerfend.

Bilder des Tages


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